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Einsatz von Planspielen im Unterricht

Simulationsspiele erzeugen bei Jugendlichen eine hohe Motivation. Durch das ganzheitliche Lernen werden die Inhalte besser behalten und die Einsichten können nachhaltiger wirken.

Grundsätzliches zu Planspielen

Spätestens seit der Einführung von G8 wird dafür plädiert, den Unterricht für Projektarbeit und fächerübergreifenden Unterricht zu öffnen. In diesem Kontext bieten Planspiele eine gute Möglichkeit, Sachinformationen mit politischer Bildung zu verknüpfen und Schülerinnen und Schüler mit komplexen Themen vertraut zu machen. Solche Simulationsspiele erzeugen bei Jugendlichen eine hohe Motivation. Durch das ganzheitliche Lernen werden die Inhalte besser behalten, die Einsichten können nachhaltiger wirken.

Was ist ein Planspiel?

Planspiele entstanden ursprünglich als „Sandkastenspiele“ der militärischen Kriegsführung und werden heute überwiegend im Managementtraining der Wirtschaft eingesetzt. Dennoch haben sie sich auch im Schulunterricht bewährt.

Nach H. Meyer sind Planspiele komplex gemachte Rollenspiele mit klaren Interessengegensätzen und hohem Entscheidungsdruck. In Planspielen schlüpfen die Teilnehmenden im Rahmen einer simulierten Umwelt in klar umrissene Rollen, die zum einen eine bestimmte Persönlichkeit, zum anderen aber auch eine definierte Funktion in einer gesellschaftlichen Gruppe oder Institution umfasst.

 

Das Rollenverhalten ist stark formalisiert und vorgegeben. Es geht weniger um eine kreative Entfaltung als vielmehr um eine umfassende und konstruktive Konfliktlösungsstrategie, so wie sie im politischen und gesellschaftlichen Raum tatsächlich zum Tragen kommen. Im Planspiel steht das politische Lernen im Vordergrund. Die Übergänge zwischen Planspielen und Rollenspielen sind fließend. Grundsätzlich kann man sagen, dass Rollenspiele meist nur eine bestimmte Persönlichkeit vorgeben, so dass die Ausgestaltung der Rolle mehr Freiräume lässt. Bei Rollenspielen steht häufig mehr das soziale Lernen im Vordergrund.

 

Ein Planspiel bildet stets ein Modell der Wirklichkeit ab. Das Modell ist als fiktional zu beschreiben: Es ist erfunden, besitzt aber starke Ähnlichkeit mit der Realität und stimmt daher mit der realen Erfahrungswelt überein. Insbesondere beim Einsatz im Schulunterricht muss das Modell auch die Komplexität der Realität vereinfachend und reduzierend darstellen, damit in der meist knappen zur Verfügung stehenden Zeit das Planspiel durchgeführt werden kann. Bei der Reduzierung auf wesentliche Gesichtspunkte muss aber vermieden werden, die Sinnzusammenhänge zu verfälschen. Der Modellcharakter soll erhalten sowie die politische und gesellschaftliche Wirklichkeit transparent bleiben!

Was ist Gegenstand eines Planspiels?

Es wird stets um Entscheidungsprozesse gehen, die aus einem objektiven Konflikt resultieren: Im Planspiel werden die Konflikte in unterschiedlichen Gruppen diskutiert und nach Lösungswegen für den Konflikt gesucht. Dabei spielen strategische und taktische Überlegungen innerhalb der eigenen Planspielgruppe eine ebenso große Rolle wie die Interaktion zwischen den verschiedenen Gruppen. Man lernt den „Gegner“ kennen, kann dessen Position mit der eigenen vergleichen und mögliche Bündnispartner gewinnen. Daraus können Mehrheitsentscheidungen entstehen, oder aber es kann zu Kompromissen kommen, um den Konflikt zu beenden.

Welche Ziele können mit einem Planspiel angestrebt werden?

Die Schülerinnen und Schüler erhalten einen anschaulichen Einblick in demokratische Entscheidungsprozesse. Unabhängig davon, ob es sich bei der dargestellten Situation um ein politisches Szenario wie etwa bei dem Planspiel „Parlamentarische Demokratie spielerisch erfahren“, oder aber um den Konflikt um ein bedrohtes Naturschutzgebiet geht, stets agieren verschiedene gesellschaftliche Gruppen mit dem Ziel, ihren Standpunkt durchzusetzen. Dabei erfahren die Mitspielenden, dass es bei Auseinandersetzungen häufig keine einfachen oder eindeutigen Lösungen des Problems gibt und dass politische Entscheidungsfindung durchaus auch mit dem aushandeln „fauler“ Kompromisse verbunden ist.

 

Ein weiteres Ziel beim Einsatz von Planspielen im Unterricht ist es, individuelle politische Fähigkeiten zu entwickeln und zu festigen. Dabei wird es u.a. darum gehen, eine Situationsanalyse vorzunehmen, Probleme und Ziele zu definieren, Konflikte auszutragen und begründete eigene Entscheidungen zu treffen, deren Konsequenzen anschließend auch mitgetragen werden müssen.

 

Das dritte Ziel besteht in der Weiterentwicklung sozialer Fähigkeiten. Ein erfolgreich durchgeführtes Planspiel deckt eine Fülle an Elementen der Sozialkompetenz ab, wie z.B. Problemlösungskompetenz, Fähigkeit zu Alternativen oder Kooperationsfähigkeit, deren mangelhafte Ausprägung in der öffentlichen Debatte immer wieder beklagt wird.

Wie läuft ein Planspiel ab?

Ein Planspiel besteht im Wesentlichen aus drei Phasen: Der Vorbereitungsphase, der Spielphase und der Auswertungsphase. Es ist kaum überraschend, dass Schülerinnen und Schüler die Spielphase als die reizvollste ansehen, für den Lernerfolg ist allerdings die Auswertephase ebenso wichtig.

 

In der Vorbereitungsphase erfolgt zunächst die Einführungsphase: Die Spielleitung (in der Schule wird dies der/die Fachlehrer/in sein) erläutert die grundsätzliche Idee des Planspiels und führt in das Szenario des Spiels ein: Worin besteht der Konflikt? An welcher Stelle des Konflikts setzt die Spielphase ein? Welche Akteure treten auf? Welche Gruppen agieren im Spiel? Wie ist der zeitliche Ablauf des Spiels?

Die Verteilung der Rollen sollte möglichst so erfolgen, dass die jeweilige Persönlichkeit und die persönliche Fähigkeiten der einzelnen Schüler berücksichtigt werden. So kann schon im Vorfeld vermieden werden, dass eine Gruppe im Spiel sich der Situation als nicht gewachsen zeigt und frustriert aus dem Spiel aussteigt.

Anschließend folgt eine Informationsphase, in der die Mitspielenden sich mit dem Szenario und ihrer Rolle vertraut machen. In einer anschließenden Ausarbeitungsphase kann das Rollenverständnis und die Funktion der eigenen Rolle in der Gruppe vertieft werden. Hier kann eine Vertiefung durch Hintergrundinformationen sinnvoll sein.

 

Die Spielphase gliedert sich in eine Meinungs- und Willensbildungsphase, eine Interaktionsphase und eine Entscheidungs- oder Anwendungsphase. Zunächst erfolgt ein Austausch innerhalb der eigenen Gruppe, wobei die Gruppe ihre Ziele festlegt und Strategien plant. Auch über mögliche Kompromisse wird beraten. In der anschließenden Interaktionsphase erfolgt die Verhandlung mit den anderen Gruppen im Spiel, wobei die eigenen Strategien auf die der anderen Akteure treffen. In der Entscheidungsphase muss dann eine Lösung des Konflikts gefunden werden. Häufig wird dies in Form einer Konferenz angelegt, in der Sprecherinnen und Sprecher der verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen im Spiel ihre Lösungsansätze vorstellen, die diskutiert und bewertet werden.

Wichtig erscheint es dabei, deutlich zu machen, dass das Ziel des Planspiels in der Lösung des Konfliktes besteht. Ein Auseinandergehen, ohne dass eine Lösung gefunden wird, sollte von der Spielleitung im Vorfeld ausgeschlossen werden.

 

Die Reflexionsphase sollte zunächst in einer Distanzierungsphase das Lösen der Akteure aus der Spielsituation erleichtern. Hier werden spontane, intuitive und emotionale Rückmeldungen über das Planspiel erbeten. So z.B: „Wie sind Sie mit dem Ergebnis zufrieden?“, „Wie haben Sie sich in Ihrer Rolle gefühlt?“. In der Auswertephase wird anhand von Auswertebögen, die in den Gruppen bearbeitet und anschließend im Plenum diskutiert werden, eine inhaltliche Problematisierung und Analyse des Planspiels vorgenommen. Wichtige Fragen sind dabei: Realitätsnähe, Einschätzung des Grads der Vereinfachung, eigene Einschätzung des Modells.



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