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Es geht auch um die Würde von Frauen

Evangelische Frauenarbeit in Deutschland zur Eizellentnahme

Frauen unterziehen sich den Belastungen der IVF, weil sie sich ein Kind wünschen. Aber wie können Frauen dazu gewonnen werden, eine Eizelle zum Beispiel für die Forschung zu spenden?

Die Konzentration auf den Embryo und die biologischen Vorgängen im Reagenzglas ist verständlich. Die frühen Phasen der menschlichen Entwicklung, bislang im Dunkel des Mutterleibes verborgen, sind ebenso faszinierend wie kompliziert und müssen zunächst veranschaulicht werden. Die Frage, wie mit Embryonen außerhalb des Mutterleibes umzugehen ist, ruft Philosophen, Sozialethiker und Juristen auf den Plan, die die Aussagen des Grundgesetzes und der christlichen Tradition auf die neuen Herausforderungen anwenden. Andere beschäftigt vor allem die Frage nach dem medizinischen Fortschritt und dem eventuellen wirtschaftlichen Gewinn.

 

Frauen haben freilich noch einen anderen Blick. Sie stellen sich konkret vor, was bei der Anwendung dieser Techniken am weiblichen Körper geschieht, und sie beobachten kritisch, was dies für das Leben von Frauen bedeuten.

Frauen sind zunächst einmal die Nutzerinnen der Fortpflanzungstechnik. In Deutschland werden jährlich rund 60.000 Behandlungen mit dem Ziel einer Reagenzglas-Befruchtung (In-vitro-Fertilisation/IVF) durchgeführt und rund 4.000 Kinder auf diese Weise geboren.

Frauen sind aber auch die Leidtragenden dieser Technik, die zugleich die Grundlage für alle weiteren Fortpflanzungstechniken ist. Denn für die Durchführung einer Präimplantationsdiagnostik, für Embryonenforschung, für die Gewinnung embryonaler Stammzellen und für therapeutisches Klonen muss zunächst einer Frau eine Eizelle entnommen werden, um damit im Reagenzglas einen Embryo herzustellen. Die Belastungen und Risiken dieses Eingriffs sind bekannt: Hormoneinnahmen, damit mehrere Eizellen zu einem bestimmten Zeitpunkt reifen, enge Überwachung über Wochen und Monate, Entnahme der Eizellen unter lokaler Betäubung oder Vollnarkose. Die hormonelle Stimulation kann zu gesundheitlichen Beschwerden führen, zu einer Vergrößerung der Eierstöcke, Wasseransammlungen, Blutgerinnseln. Bei der Eizellentnahme kann es zu Blutungen, Infektionen, Narkoseschäden kommen.

 

Frauen unterziehen sich den Belastungen der IVF, weil sie sich ein Kind wünschen. Aber wie können Frauen dazu gewonnen werden, eine Eizelle zum Beispiel für die Forschung zu spenden? In England geschieht dies etwa dadurch, dass einer Frau die Kosten für die IVF-Behandlung ermäßigt werden, wenn sie sich zusätzliche Eizellen entnehmen lässt und sie zur Forschung freigibt. Es gibt Vermutungen, dass bei Totaloperationen Eizellen entnommen, nachgereift und zur Forschung verwendet werden, ohne dass vorher das Einverständnis der Frauen eingeholt wird.

 

Bei diesem wie jedem anderen wertvollen „Rohstoff“ besteht die Gefahr der Kommerzialisierung, bei der wirtschaftliche Notlagen oder auch die Selbstlosigkeit und Nächstenliebe von Frauen ausgebeutet werden. Die Evangelische Frauenarbeit in Deutschland weist darauf hin, dass durch die Anwendung dieser Techniken „gesunde Frauen ein beträchtliches Gesundheitsrisiko zum Nutzen Dritter eingehen“, und warnt vor der damit gegebenen „Vermarktung und Instrumentalisierung des weiblichen Körpers“ (22. 12. 2000).

 

Bei der Diskussion über die Zulässigkeit der Embryonenforschung und des Klonens ist also auch zu fragen: Wo kamen die Eizellen her, unter welchen Bedingungen wurden sie entnommen, wurde die Frau gefragt, warum hat sie zugestimmt? Nicht nur der Embryo als potentieller Mensch ist schützenswert, auch die dazu erforderlichen Eizellen als Teil des Körpers einer Frau sind es. Es geht nicht nur um die Embryonen zugesprochene Menschenwürde, sondern auch um die Würde von konkreten Frauen.



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