Verantwortungsethik

Die Verantwortungsethik beschreibt einen Bereich der angewandten Ethik, der besonders die erwartbaren Handlungsfolgen betrachtet.

Oft wird der Verantwortungsethik noch die Gesinnungsethik gegenübergestellt (das machte zum Beispiel Max Weber), die im Gegensatz dazu nur das eigene Gewissen als Verantwortungsgegenstand betrachtet - ich bin ausschließlich für mein eigenes Gewissen verantwortlich. Für die Verantwortungsethik ist die gesamte Außenwelt möglicher Gegenstand - ich nehme auch die Folgen meines Handelns auf mich. Hier werden Güterabwägungen getroffen, um größere Übel zu vermeiden. Viele Ethiker meinen allerdings, diese Gegenüberstellung sei nicht so trennscharf, wie sie vielleicht anmutet.

Verantwortung

Wir sind nicht nur für etwas verantwortlich, sondern auch gegenüber jemandem oder vor einer Instanz. Eine solche Verantwortung hat viele Einzelaspekte, die eigentlich bei jeder Verantwortungszuschreibung mitgedacht werden sollten:

Wer (Akteur) verantwortet wann (vorher/nachher) wovor (Instanz) was (Handlung) wofür (Folgen) weswegen (Werte)?

Verantwortungstypen

Es ist sinnvoll, zwei unterschiedliche Verantwortungstypen zu unterscheiden:

Zum einen die moralische Verantwortung, die in allen Situationen gleichermaßen (universell) gilt. So tragen wir beispielsweise immer die Verantwortung, Menschen oder Lebewesen zu erhalten, zu fördern oder auch sie nicht zu schädigen. Hier geht es also um allgemeine Werte wie Humanität, Menschenwürde, Fortbestand und Qualität menschlichen (vielleicht auch tierischen) Lebens.

 

Zum zweiten kann man aber auch Aufgaben- und Rollenverantwortung beschreiben. Innerhalb von Berufsgruppen, Firmen, anderen Institutionen oder auch gesellschaftlichen Gruppen (wie zum Beispiel der Familie, der Klasse, der Schule, dem Verein) übernimmt jeder bestimmte Aufgaben oder eine bestimmte Rolle. Als Klassensprecher/in habe ich beispielsweise die Verantwortung, die Belange meiner Klassenkameraden/innen gegenüber den Lehrenden oder gegenüber der Schulversammlung zu vertreten. Hier geht es also darum, Aufgabenverteilungen, Rollenerwartungen, Stellenbeschreibungen oder ähnlichem zu entsprechen. Entspricht man diesen nicht, wird man zu Verantwortung, zur Rechenschaft gezogen.

Verantwortung und Ethik

Eine Verantwortungsethik im modernen Sinne, etwa nach Hans Lenk oder Günter Ropohl, versucht, eine Brücke zwischen moralischer Verantwortung, individualistischer und institutioneller Verantwortung zu schlagen. Für die Forschung bedeutet das Folgendes: Der Forscher trägt eine Mitverantwortung für seine Entdeckungen und deren Folgen. Er muss versuchen, die Anwendung seiner Ergebnisse möglichst umfassend vorherzusehen und diese auch öffentlich machen. Er trägt nicht nur die Verantwortung dafür, seine Aufgabe richtig zu machen, sondern auch dafür, dass dies in moralisch guter Weise zu bewerkstelligen.

 

Zum anderen sind Forschungsergebnisse nie einzeln, sondern werden meistens in Forschungsverbünden produziert und stehen zudem oft in hochkomplexen Zusammenhängen.

Der einzelne Forscher wäre mit einer alleinigen Verantwortung hoffnungslos überfordert. Deshalb trägt die Leitung der jeweiligen Institution oder auch politische Vertreter der Gesellschaft ebenfalls Mitverantwortung. Sie tragen Verantwortung dafür, dass beispielsweise nur Forschungsgelder für Dinge ausgegeben werden, die als moralisch legitim gelten. Oder sie ermöglichen Forschern, ihre gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen zu können, indem sie allgemeine Richtlinien oder Ethikkodizes erstellen und für deren Einhaltung sorgen.

Eine Verantwortungsethik zeigt demnach allgemeine Pflichten auf, sie sagt jedoch nichts darüber aus, was im Einzelnen getan werden soll.

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