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Karikaturen im Unterricht

Karikaturen eignen sich besonders gut, um in die gesellschaftspolitische Debatte um die Forschung mit embryonalen Stammzellen in Deutschland einzusteigen und sich vertieft mit den damit verbundenen ethischen Aspekten auseinanderzusetzen.

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Stefanie Albrecht
Karikaturen im Religionsunterricht (RU)

1. Was ist eine Karikatur?

(ital. caricare = überladen, -treiben)
Eine Karikatur ist ein Zerrbild, das durch Überbetonung einzelner, dennoch erkennbarer Charakterzüge komisch oder satirisch wirkt. Sie dient durch die einseitige Verzerrung neben dem Spott oft auch der Kritik mit der Absicht, durch Aufdeckung verurteilenswerter Schwächen und Missstände auf politischem, sozialem oder sittlichem Gebiet zu deren Abstellung anzuregen.

2. Zum Einsatz von Karikaturen im RU

2.1. Warum? – Zur Begründung des Einsatzes von Karikaturen im RU

Karikaturen können als Unterrichtsmedium produktive Prozesse im Unterricht auslösen – aus verschiedenen Gründen:

  • Schüler/innen reagieren auf visuelle Darstellungen oft motivierter als auf Texte,
  • durch die äußere Ähnlichkeit mit Comics und Zeichentrickfilmen wirken Karikaturen ansprechend auf Schüler/innen und regen sie dazu an, sich mit der jeweiligen Problematik auseinander zu setzen,
  • der vordergründig heitere oder überraschende Effekt von Karikaturen öffnet die Schüler/innen emotional für die tiefere Aussage der Karikatur,
  • durch die zugespitzte und vielfach übertriebene Darstellung können Schüler/innen in hohem Maße zu (spontanen) Äußerungen und (kontroversen) Diskussionen  animiert werden,
  • die Vieldeutigkeit und Offenheit von Karikaturen provoziert Schüler/innen, ihre eigene Position zu artikulieren,
  • das Entschlüsseln von Botschaften, die Karikaturen transportieren, fördert Schüler/innen in ihrer Fähigkeit, Bildsprache im Allgemeinen zu verstehen und zu deuten,
  • in den Karikaturen spiegeln sich vielfach die Skepsis und die Vorbehalte von Schüler/innen gegen religiöse Fragen und Inhalte wider – sie bieten insofern Identifikationsmöglichkeiten für die Schüler/innen.
  • Im Übrigen stellen auch die Richtlinien für das Fach Evangelische Religionslehre den Einsatz von Karikaturen im Religionsunterricht für beide Sekundarstufen explizit als „didaktische Chance“ heraus.

Fazit:
„In einer solchen Situation sind Karikaturen über religiöse Themen, über Gott und Jesus oder über Beispiele (falscher) religiöser Lebenspraxis daher keine Gotteslästerung oder Blasphemie (obwohl es hier auch fließende Übergänge gibt!), sondern sie sollen aufzeigen, wo festgefahrene Denk- und Verhaltensschemata immer wieder überprüft werden müssen. Insofern sind Karikaturen im besten Sinne didaktisch.“ 

2.2. Wie? – Zum Umgang mit Karikaturen im RU 

Bevor Karikaturen im Unterricht eingesetzt werden, sollte die Lehrkraft Folgendes für sich klären:
Grundsätzlich gilt „Karikaturen dürfen nicht als bloße Illustration für bestimmte Zusammenhänge benutzt werden. Das widerspräche ihrem kritischen Ansatz.“ Aus diesem Grunde sind didaktisch-methodische Vorüberlegungen seitens der Lehrkraft notwendig, die zum einen auf die inhaltliche Erschließung der Karikatur selbst zielen und zum anderen die konkrete Unterrichtsplanung in den Blick nehmen.

Die im Folgenden vorgestellte so genannte „klassische“ Methode der Erschließung einer Karikatur eignet sich nicht nur für den Einsatz im Unterricht, sondern kann auch der Lehrkraft Hilfe sein für ihre Vorüberlegungen. Aus diesem Grunde ist sie hier vorangestellt. 

2.2.1.  Die „klassische“ Methode der Erschließung einer Karikatur

 

1. Schritt: Beschreibung der Bildzeichen im Hinblick auf die Erfahrungen, die der Karikatur zugrunde liegen könnten.


Leitfragen:

  • Was sieht man?
  • Welches Problem/ Ereignis ist dargestellt?
  • Welche Personen sind in welchen Lebenssituationen zu erkennen?
  • Wie werden sie dargestellt?
  • Was fällt besonders auf?

2. Schritt: Analyse der Bildzeichen im Hinblick auf die grundlegende These des Zeichners.


Leitfragen:

  • Welcher Widerspruch wird aufgedeckt?
  • Welche Ziele verfolgt der Karikaturist?
  • Wessen Partei ergreift er?
  • Wen (was) greift er an und warum?
  • Was will er bewirken?

3. Schritt: Transfer in den eigenen Erfahrungsbereich.

 

Leitfragen:

  • Wie wirkt die Karikatur auf mich?
  • Welche Einstellung gegenüber dem kritisierten Sachverhalt habe ich?
  • Trifft die Karikatur mich?
  • Was müsste passieren, um die dargestellte Situation zu verändern/verbessern?

2.2.2. Konsequenzen für die konkrete Unterrichtsplanung

  • Wie könnten Schüler/innen auf die Karikatur reagieren?
  • Welche Voraussetzungen müssen Schüler/innen erfüllen, um die Karikatur zu verstehen? (Kenntnisstand, Alter)
  • Welche bedenkenswerten Aspekte/ Schwierigkeiten ergeben sich im Hinblick auf die Schüler/innen?
  • Zu welchem Unterrichtsthema/-inhalt soll die Karikatur eingesetzt werden?
    An welcher Stelle des Unterrichts soll die Karikatur eingesetzt werden?
    (Zur Information: Grundsätzlich eignen sich Karikaturen
    • als Unterrichtseinstieg zur Hinführung zu einem neuen Unterrichtsthema bzw. einer neuen Unterrichtsreihe
    • als zentraler Bestandteil während der Erarbeitungsphase
    • als Grundlage für Wiederholungs- und Sicherungsphasen
    • als Grundlage für Tests/ Klausuren)

2.2.3. Weitere Methoden (neben der „klassischen“ Methode)

Neben der sogenannten „klassischen“ Erschließungsmethode (vgl. 2.2.1.) gibt es andere Methoden, die zu einer weniger angeleiteten, eigenständigen Auseinandersetzung der Schüler/innen mit Karikaturen anregen können und bei denen die Kreativität der Lehrkraft gefragt ist. Diese Methoden können auch mit der „klassischen“ Erschließungsmethode kombiniert werden. Zentraler Dreh- und Angelpunkt ist hierbei, dass Veränderungen an der Karikatur vorgenommen werden.

 

Im Folgenden findet sich eine Auswahl:

  • Ergänzungen: Gedanken- und Sprechblasen oder Titel werden eingefügt.
  • Dalli-Klick: Die Karikatur wird nur ausschnittsweise gezeigt. Die Schüler/innen antizipieren die übrigen Bildelemente.
  • Puzzle: Die Karikatur wird zerschnitten und von den Schüler/innen wie ein Puzzle zusammengesetzt.
  • Aussagen: Die Schüler/innen bekommen Aussagen zur Karikatur. Sie müssen begründet entscheiden, ob die jeweilige Aussage falsch, richtig oder möglich ist.
  • Zuordnung: Karikatur und Text werden voneinander getrennt. Die Schüler/innen müssen die richtigen Zuordnungen vornehmen.

3. Literatur

  • Berg, Horst Klaus: Karikaturen für das 7.-10. Schuljahr, Stuttgart/ München 1978
  • Berg, Horst Klaus: Arbeiten mit Karikaturen, in: Adam, Gottfried/ Lachmann, Rainer (Hg.): Methodisches Kompendium für den Religionsunterricht, Göttingen ?1996, S. 262-268
  • Hindriksen, Arendt (Hg.): Religion in der Karikatur, in: Reliprax 20/ 1996
  • Hindriksen, Arendt (Hg.): „…Weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit.“ Thema: Religion in der Karikatur, in: Reliprax 34/ 2000
  • Ministerium für Schule und Weiterbildung, Wissenschaft und Forschung des Landes NRW (Hg.): Richtlinien und Lehrpläne. Evangelische Religionslehre, Sekundarstufe I Gymnasium/ Gesamtschule, Frechen 41993
  • Ministerium für Schule und Weiterbildung, Wissenschaft und Forschung des Landes NRW (Hg.): Richtlinien und Lehrpläne. Evangelische Religion, Sekundarstufe II Gymnasium/ Gesamtschule, Frechen 11999
  • Schmidt-Rhaesa, Hansjürgen: Karikaturen und ihr methodischer Einsatz im Unterricht, in: Lenhard, Hartmut (Hg.): Arbeitsbuch Religionsunterricht. Überblick-Impulse-Beispiele, Gütersloh ?1996, S. 163
  • Uppendahl, Herbert: Die Karikatur im historisch-politischen Unterricht, Freiburg/Würzburg 1978
  • Wilpert, Gero v.: Sachwörterbuch der Literatur, Stuttgart 1969 (5., verbesserte und erweiterte Auflage)

 

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