Kerntransfer: Kuh-Mensch-Hybride

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Weil es nur wenige, freiwillig gespendete Eizellen gibt, wollte ein britisches Forscherteam auch Eizellen von Kühen verwenden, in welche dann Kerne menschlicher Zellen eingebracht werden sollten.

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Dieses Vorhaben führte zu einer breiten öffentlichen Debatte in Groß-Britannien und im Ausland und mündete letztlich in der Erteilung einer Lizenz für den „inter-Spezies Kerntransfer“ durch die dortige Aufsichtsbehörde.

Bei dem Verfahren ist generell zu bedenken, dass die Eizellen der Kühe analog zu den Verfahren mit humanen Eizellen entkernt werden, d.h. dass ihre gesamten Chromosomen entfernt werden, sich aber weiterhin Mitochondrien in den entkernten Eizellen befinden. Allerdings ist für die Funktionsweise dieser Mitochondrien ein Austausch mit Genen aus dem eigentlichen Zellkern notwendig. Da während der Prozedur des Kerntransfers ohnehin auch Mitochondrien der Spenderzelle übertragen werden, nehmen die britischen Forscher an, dass die Mitochondrien in der Eizelle bis über die nächsten Zellpassagen heraus verdünnen, und dass nach einer ausreichend langen Kulturperiode ausschließlich Spendermitochondrien in den Zellen vorhanden sein werden.

Kann das funktionieren?

Ob mit dieser Methode der Kerntransfer erfolgreich durchgeführt werden kann, müssten zukünftige Experimente erst zeigen, denn neuere Arbeiten widersprechen dem Konzept, dass ein inter-Spezies Kerntransfer möglich ist. Einer der Protagonisten (Stephen Minger) des britischen Vorstoßes sagte aber im Herbst 2009 während einer Tagung in Hannover, dass nun im "Zeitalter der induzierten pluripotenten Stammzellen" ohnehin keine Gruppe mehr an den Kuh-Mensch-Hybriden arbeiten würde.


Tiefergehende Informationen

In der öffentlichen Diskussion wurde oft von der Bildung von Chimären, bzw. Hybriden gesprochen, wobei beide Begriffe streng genommen, nicht zutreffend sind. Unter einer Chimäre würde man ein Mischwesen verstehen, das Zellen zweier unterschiedlicher Organismen enthält. Unter einem Hybrid würde man ein Wesen verstehen, das in jeder Zelle Gene von zwei verschiedenen Organismen enthält, wie es z.B. beim Maultier der Fall ist. Die Wissenschaftler dieses Antrages sprechen daher von Cybriden, da lediglich das Cytoplasma-Hybrid von zwei Spezies abstammend ist.

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