Querschnittslähmung

Sebastian ist 16 Jahre alt. Vor 2 Jahren hatte er beim Inline-Skaten einen schweren Unfall mit einem Auto und ist seitdem querschnittsgelähmt. Die Ärzte hoffen, das es eines Tages vielleicht möglich sei, mit Hilfe von embryonalen Stammzellen neue Therapiemöglichkeiten zu entwickeln.

Diese sollen die Querschnittslähmung heilen können und Menschen wie Sebastian ein normales, unabhängiges Leben ermöglichen.

Allerdings bieten nur embryonale Stammzellen dieses Potential, da sie die einzigen Stammzelltypen sind, die sich in nahezu jeden Zelltyp entwickeln können. Für die Gewinnung dieses Stammzelltypen werden Embryonen „verbraucht“, die bei künstlichen Befruchtungen „übrig“ bleiben, dass heißt, sie werden bei dem Gewinnungsverfahren getötet.

Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern ist die Gewinnung von embryonalen Stammzellen in Deutschland verboten und ein Import dieses Stammzelltyps aus dem Ausland ist nur für hochrangige Forschungsprojekte erlaubt. Damit können deutschen Wissenschaftler nur sehr eingeschränkt am Forschungsprozess teilnehmen, um neue Medikamente oder Behandlungsverfahren zu entwickeln. Sebastian und seine Eltern wollen für eine Lockerung dieser Gesetzgebung kämpfen, damit die Forschungsarbeit der deutschen Wissenschaftler erleichtert wird und Sebastians Chancen auf ein neues Behandlungsverfahren steigen. Dafür nehmen sie auch die Tötung von Embryonen in Kauf.

Aufgaben:

  1. Wie würden Sie spontan entscheiden? Führen Sie eine Abstimmung in der Klasse durch!
  2. Welche Entscheidungsmöglichkeiten gibt es für Sebastians Eltern in der oben genannten Situation? Welche Folgen hätten die verschiedenen möglichen Entscheidungen?
  3. Welche Werte und Normen sind dabei betroffen?
  4. Sammeln Sie Argumente für die verschiedenen Entscheidungsmöglichkeiten und ordnen Sie diese in einer Rangfolge. Hier können Sie sich über weitere Argumente zur Stammzellforschung informieren.
  5. Wie lautet Ihr Urteil nun, nachdem Sie die Aufgaben 1-4 bearbeitet haben? Begründen Sie bitte!

Tiefergehende Informationen

Stammzellen zählen zu den großen Hoffnungsträgern in der modernen Medizin. Sie verfügen über das Potenzial, sich zu den unterschiedlichsten Zellarten des menschlichen Körpers zu entwickeln. Im Rahmen der klinischen Forschung erhofft man sich von embryonalen Stammzellen die Möglichkeit zur Schaffung von Gewebeersatz, besonders im Hinblick auf solche Gewebe, die nur ein geringes oder gar kein Regenerationsvermögen aufweisen, wie z. B. Nervengewebe. Diskutiert werden die Anwendung von embryonalen Stammzellen zur Behandlung von verschiedenen Krankheiten wie Morbus Parkinson, Diabetes Typ 1 sowie Krankheiten des Herz-Kreislaufsystems. Die Wissenschaftler erhoffen sich sogar Patienten wie Sebastian helfen zu können.

Max-Planck-Institut für molekulare Biomedizin Institut für Kirche und Gesellschaft der Evangelischen Kirche von Westfalen Centrum für Bioethik - Westfälische Wilhelms-Universität Münster Zentrum der Didaktik für Biologie - Westfälische Wilhelms-Universität Münster Universitätsklinikum Münster Bundesministerium für Bildung und Forschung