POL-Fall: Querschnittsgelähmt

Der 27-jährige Motorradfahrer Heinz M. verunglückte auf nasser Strasse. Aufgrund des unglücklichen Aufpralls ist der junge Mann seit seinem Unfall querschnittsgelähmt.

Der klinische Fall

Der 27-jährige Motorradfahrer Heinz M. verunglückte auf nasser Strasse. Aufgrund des unglücklichen Aufpralls ist der junge Mann seit seinem Unfall querschnittsgelähmt. Seine Beweglichkeit der Hände, Arme und des Kopfes sind völlig normal, während er keinerlei Gefühl beginnend von der Brust bis zu seinen Füßen aufweist. Entsprechend kann er seine Beine und sein Becken nicht bewegen, er hat keinerlei Kontrolle über Stuhlgang und Wasserlassen. Um sich fortzubewegen, benötigt er einen Rollstuhl. Mit Übung und technischen Hilfsmitteln kann er sich selbst z.B. in den Rollstuhl und ins Auto setzen. Partnerschaftliche Beziehungen sind erschwert, da eine Erektion nicht mehr möglich ist.

Gegenwärtige Therapie

Unterstützende Maßnahmen (Physiotherapie), gelegentlich Schmerzmittel.

Aktuelle Situation

Der Unfall liegt erst einige Wochen zurück. Herr M. hat sich nach anfänglich starken Depressionen in seine neue Situation eingefunden. Seinen Freundeskreis konnte er aufrechterhalten. Er lebt zusammen mit seiner Freundin in einer behindertengerecht eingerichteten Wohnung. In seinem Freundeskreis ist ein Naturwissenschaftler, der sich intensiv mit den neuen Möglichkeiten der Stammzelltherapie beschäftigt. Er hat Herrn M. davon berichtet. Herr M. hat bereits aus eigenem Antrieb entsprechende Fachärzte an mehreren Universitätskliniken innerhalb Deutschlands zu den Möglichkeiten der Stammzelltherapie konsultiert. Er äußert wiederholt den starken Wunsch, seine Erkrankung und Lebensumstände durch den medizinischen Fortschritt bessern zu wollen. Herr M. beobachtet auch klinische Studien im Ausland, an denen er gern teilnehmen würde, falls das möglich ist.

Alternativen

Trotz erheblicher medizinischer Fortschritte ist eine signifikante Verbesserung der Erkrankung durch derzeit etablierte therapeutische Verfahren nicht möglich. Ein Ausweg kann die Stammzelltherapie darstellen. Eine akute Versorgung direkt nach dem Unfall wäre für die Prognose einer solchen Therapie günstig. Die Fachärzte sowie Herr M. müssen einige Optionen abwägen.

  1. Abwarten bis sich die neuen Methoden weiter entwickelt haben, möchte Herr M. nicht, da er eine weitere Verschlechterung seiner Therapiechancen befürchtet.
  2. Eine Therapie mit adulten Stammzellen hat nach derzeitigem Wissensstand zwar eine geringe, aber möglicherweise in anlaufenden neuen Studien mit optimierten Verfahren doch eine bessere Prognose als seine jetzige Situation. Diese Therapie scheint auch nach derzeitigen Erkenntnissen mit sehr wenigen Nebenwirkungen verbunden zu sein.
  3. Neu anlaufende Therapiestudien mit embryonalen Stammzellen werden therapeutisch größere Chancen eingeräumt. Allerdings sind die Risiken, insbesondere die Entwicklung eines Tumors, noch nicht im Einzelnen bekannt. Auch könnte die Therapie mit einer vorübergehenden oder lebenslangen Immunsuppression verbunden sein.

Vorschläge zur weiteren Einarbeitung in die Thematik

  1. Welche Chancen und Risiken sind bei einer Stammzelltherapie für Herrn M. zu erwarten?
  2. Benennen Sie prinzipielle Unterschiede, wodurch sich stammzellbasierte Therapien aufgrund der jeweiligen Erkrankung unterscheiden können.
  3. Recherchieren Sie den Ablauf, der bei der Einführung von neuen Medikamenten (zellbasierte Therapieverfahren) zu beschreiten ist und schätzen Sie den zeitlichen Verlauf bis zur Freigabe des Verfahrens ab.

Weitere Informationen zum Thema Querschnitlähmung ...

Max-Planck-Institut für molekulare Biomedizin Institut für Kirche und Gesellschaft der Evangelischen Kirche von Westfalen Centrum für Bioethik - Westfälische Wilhelms-Universität Münster Zentrum der Didaktik für Biologie - Westfälische Wilhelms-Universität Münster Universitätsklinikum Münster Bundesministerium für Bildung und Forschung