POL-Fall: Herzinfarkt

Der 56-jährige Oliver S. bekommt während der Büroarbeit linksseitige Brustschmerzen mit Ausstrahlung in den linken Oberarm. Diese Schmerzen sind so heftig, dass er ein Engegefühl verspürt und um Luft ringt.

Der klinische Fall

Der 56-jährige Oliver S. bekommt während der Büroarbeit linksseitige Brustschmerzen mit Ausstrahlung in den linken Oberarm. Diese Schmerzen sind so heftig, dass er ein Engegefühl verspürt und um Luft ringt. Ein hinzu gerufener Notarzt bringt den Patienten mit einem Rettungswagen in das nächste Krankenhaus und es wird der Verdacht eines Herzinfarktes bestätigt. Eine sofortige Herzkatheteruntersuchung zeigt in dem linken Herzkranzgefäß eine kurzstreckige ausgeprägte Verengung, die man über einen Katheter mit einem Ballon problemlos aufdehnen kann. In der röntgenologischen Durchleuchtung bei dieser Untersuchung zeigt sich, dass der Herzinfarkt bereits einen großen Bereich der linken Herzkammer erfasst hat und eine deutliche Herzmuskelschwäche besteht. Dieses bedingt für den Patienten zukünftig eine Herzmuskelschwäche, bis hin zur Ausbildung eines Aneurysmas (einer Aussackung der Herzwand) oder weiteren Komplikationen wie z.B. Bildung von Blutgerinnseln, Herzmuskeleinrisse, Herzversagen oder Herztod.

Gegenwärtige Therapie

Herr S. soll zur Vorbeugung eine medikamentöse Therapie erhalten. Er erhält einen Betablocker sowie weitere spezielle Medikamente zur Verbesserung der Herzfunktion. Zur sog. Blutverdünnung nimmt er Acetylsalicylsäure. Dieses Medikament nimmt er lebenslang ein.

Aktuelle Situation

Herr S. hat seinen beruflichen Alltag umgestalten können, was ihm relativ einfach möglich war, da er selbstständig gearbeitet hat und das Tagesgeschäft übergeben konnte. Herr S. hat auch nach einer physiotherapeutischen Behandlung begonnen, sich regelmäßig sportlich zu betätigen.

Er wiederholt bei seinen Besuchen, dass ihn der Vorfall betroffen hat und er bereit ist, sein Leben drastisch umzugestalten. Vor zwei Jahren hat er seinen Bruder, der ebenfalls einen Herzinfarkt erlitten hatte, verloren. Er konzentriert sich nun sehr viel stärker auf seine Familie und hofft, den beruflichen Einstieg seiner drei Kinder (12, 18 und 21 Jahre) noch über mehrere Jahre begleiten zu können. Von der Stammzelltherapie hat er zunächst über die Medien erfahren. Herr S. ist von seinem Wesen her ein eher dominanter Mensch und hat eine Stammzelltherapie nach eingehender Information in seinen zukünftigen Lebensplan einbezogen.

Therapeutische Optionen könnten sein:

In den Gesprächen mit verschiedenen Ärzten, Fachleuten und Angehörigen stellen sich für Herrn S. verschiedene Alternativen dar.

  1. Er wartet den natürlichen Verlauf unter medikamentöser Vorbeugung und positiven Änderung seiner Lebensumstände ab. Die Sterblichkeit nach einem solchen Vorfall ist allerdings bis zu ca. 90%, je nach zugrundeliegender Ursache und Verlauf. Herr S. fürchtet, da sein Bruder bei einem ähnlichen Vorfall zu Tode kam, einen weiteren Herzinfarkt nicht überlegen zu können, auch wenn die Ärzte ihm versichern, dass dies nicht unbedingt der Fall sein muss.
  2. Er erkundigt sich nach den Chancen, eine Herztransplantation zu erhalten. Die Sterblichkeit bei dieser Operation liegt unter 30%. Ein Problem stellen Komplikationen des transplantierten Organs und die lebenslange Immunsuppression dar. Auch die Organknappheit bzw. Verfügbarkeit eines Organs (täglich sterben in Deutschland 3 Patienten auf einer Warteliste für Organtransplantation) ist ein kritischer Faktor.
  3. Adulte oder embryonale Stammzellen könnten zukünftig abgestorbene Zellen der Herzmuskulatur nach Infusion z.B. in ein Herzkranzgefäß ersetzen. Das Risiko des operativen Eingriffs ist sehr gering. Die Ergebnisse bei Verwendung von adulten Stammzellen werden von einigen Fachleuten als nicht sehr erfolgsversprechend bewertet. Aus Tierversuchen ist bekannt, dass embryonale Stammzellen sich nach Injektion zu Herzmuskelzellen differenzieren und die Herzmuskelfunktion unterstützen können. Insgesamt beschleunigen sie den Heilungsprozess und verbessern langfristig die Herzmuskelfunktion.

Vorschläge zur weiteren Einarbeitung in die Thematik

  1. Was sind die Chancen und Risiken, die sich für Herrn S. durch eine Stammzelltransplantation ergeben könnten?
  2. Beschreiben Sie anhand der Erfahrungen mit adulten und embryonalen Stammzellen, welche Vor- und Nachteile Herr S. bei den beiden Therapieverfahren zu bedenken hat.
  3. Welche biologischen Mechanismen können den therapeutischen Effekt einer Stammzelltherapie erklären?

Weitere Informationen zum Thema Herzinfarkt

Max-Planck-Institut für molekulare Biomedizin Institut für Kirche und Gesellschaft der Evangelischen Kirche von Westfalen Centrum für Bioethik - Westfälische Wilhelms-Universität Münster Zentrum der Didaktik für Biologie - Westfälische Wilhelms-Universität Münster Universitätsklinikum Münster Bundesministerium für Bildung und Forschung